Gemeinschaft, Fußball und Ehrenamt – eine Vereinsgeschichte im Spiegel der Zeit

1. Die Anfänge – Fußball in Zeiten der Inflation (1920–1934)

Den Ersten Weltkrieg hatte man überstanden, doch nun galoppierte die Inflation. Im Jahr 1923 verdiente eine Putzfrau in Munzingen rund 1,5 Millionen Mark im Monat. Geld, das kaum noch etwas wert war. Die wirtschaftliche Not prägte den Alltag, Zukunftspläne waren schwer zu fassen.
Für die Jugend des Dorfes stellte sich dennoch eine Frage: Was tun mit der Freizeit? Die Auswahl war begrenzt. Feuerwehrkapelle oder Männergesangverein „Frohsinn“ – mehr Angebote gab es kaum. In dieser Situation entdeckten viele junge Munzinger den Sport als Ausgleich, Treffpunkt und Ventil.
Während im Gasthaus „Engel“ und im neu errichteten Dreschschopf an Barren, Reck und Ringen geturnt wurde, begeisterte sich ein wachsender Kreis für eine damals im Dorf noch völlig unbekannte Sportart, den Fußball. Gespielt wurde zunächst improvisiert auf Straßen, Wiesen und freien Plätzen des nahezu autofreien Dorfes.
1925 wurde der Turnverein gegründet, ein Jahr später schlossen sich einige fußballbegeisterte junge Männer zum Sportverein Munzingen zusammen. Erster Vorsitzender wurde Albert Saumer. Zu den Männern der ersten Stunde gehörten:
Albert Saumer, H. Brader, Otto Wenz, Alois Bucher, Philipp Schweier, Eugen Schmid, Karl Möllinger, Karl Moll, Hermann Lang, Franz Hörner, Johann Ott und Otto Grunfelder.
Die Gemeinde stellte einen Sportplatz beim Wasserwerk zur Verfügung. Wie in katholisch geprägten Orten jener Zeit üblich, schloss sich der Verein der Deutschen Jugendkraft (DJK) an, dem 1920 gegründeten katholischen Reichsverband für Leibesübungen. Mit zwei Mannschaften nahm man am Spielbetrieb teil.
Zu Auswärtsspielen ging es mit dem Fahrrad. Oft mit einem Mitspieler auf dem Gepäckträger, die Reifen aus Vollgummi. Verletzungen gehörten dazu, der Heimweg mit gebrochener Rippe war keine Seltenheit. Es waren entbehrungsreiche, aber schöne Jahre. Geprägt von Begeisterung und Zusammenhalt.
Diese erste Phase endete abrupt im Jahr 1934. Die Nationalsozialisten verboten die DJK, deren Reichsführer Adalbert Probst wurde verhaftet und ermordet. Auch der SV Munzingen wurde zwangsweise aufgelöst. Nach nur acht Jahren war der Fußball im Dorf vorerst Geschichte. Ein Schicksal, das viele unabhängige Vereine jener Zeit teilten.

2. Neubeginn nach dem Krieg – Fußball als sozialer Anker (1946–1959)

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Zusammenbruch der nationalsozialistischen Diktatur kehrte das Leben langsam zurück. Dass der Fußball in Munzingen schon 1946 wieder rollte, ist der Initiative von Hermann Lang, Willi Ruwe und Alfons Grunfelder zu verdanken, die den Verein neu gründeten.
Zunächst spielten auch Akteure aus Mengen für den SVM. Die Mannschaft war jung und erfolgreich, ehe mit der Gründung des SC Mengen 1954 viele Spieler abwanderten. In der Saison 1954/55 konnte deshalb keine aktive Mannschaft gemeldet werden. Lediglich die Jugend unter Jugendleiter Franz Suppinger nahm weiterhin am Spielbetrieb teil.
Dank der Initiative von Kurt Suppinger und engagierten jungen Spielern wie Erwin Hänsler und Willi Ott wurde 1955 erneut eine Mannschaft aufgebaut. Gleich beim Turnier des jungen SC Mengen holte sie den Pokal. Ein starkes Zeichen des Neubeginns.
Ab der Saison 1958/59 spielte der SVM in der C-Klasse Tuniberg. Um Einnahmen zu generieren, wurde auf dem alten Sportplatz eine Bauhütte errichtet und bewirtet. Besonders Karl Männer und Rolf Schwab sorgten bei Wind und Wetter dafür, dass zumindest ein paar Mark in die Vereinskasse kamen.
1959 wurde der erst 17-jährige Heinz Straub Platzkassierer. Die Einnahmen lagen zwischen 15 und 20 Mark pro Spiel. War der Schiedsrichter bezahlt und noch etwas übrig, spendierte der Vorstand im „Engel“ einen Bierhumpen. Kameradschaft war wichtiger als Geld. Auch mit den „Auswärtigen“, ohne die schon damals kein Spielbetrieb möglich gewesen wäre. So hatte der SVM in den 60iger Jahren einige Spieler von der Berufsfeuerwehr in Freiburg, die viel für die Kameradschaft und den Zusammenhalt beigetragen haben.

3. Infrastruktur und Aufbruch – das Tuniberg-Stadion (1960–1979)

Gespielt wurde inzwischen im Sauergarten auf einem holprigen Platz. Tore aus Maschendraht, Linien aus Sägemehl – Improvisation war Alltag. Die Flurbereinigung brachte schließlich eine große Chance.
Dank der Unterstützung von Bürgermeister Otto Schopp wurde 1967 am Steingrüble ein neues Sportgelände ausgewiesen. Hans-Jürgen Krause vom Flurbereinigungsamt und Vorstand Kurt Suppinger maßen das Gelände in Eigenregie aus. Die Grundlage für das heutige Tuniberg-Stadion mit seinem einzigartigen Schwarzwaldblick.
1968 wurde über Schwabenbräu Stuttgart eine ehemalige Kantine 8 x 10 m große erworben und mit enormem ehrenamtlichem Einsatz zu einem Clubheim umgebaut. Um aus der Holzbaracke ein brauchbares Clubheim zu machen, musste viel Arbeit der Vereinsmitglieder investiert werden, vor allem des Vorstands. Eine Toilettenanlage wurde eingerichtet und ein Anbau erstellt, um dort auch noch zwei Umkleideräume und Duschen unterzubringen. Es wurde viel geleistet seinerzeit. Hier sind vor allem die damaligen Vorstände Kurt Suppinger und Manfred Schnurr zu nennen, die beim Bauen von Helmut Knobloch und treuen Mitgliedern tatkräftig unterstützt wurden. Gaslicht im Clubheim, Flutlicht auf dem Hartplatz das mit einem Dieselgenerator betrieben wurde, sind zeugen vom Pioniergeist dieser Jahre.
1969 wurde der neue Rasen eingesät. Am 29. Juni 1969 wurde der neue Sportplatz feierlich eingeweiht. Eine Urkunde im Gedenkstein erinnert bis heute daran.
Franz Schildecker war bei diesen Arbeiten bereits dabei. Beim Einsäen half er tatkräftig mit. Er kümmerte sich auch die nachfolgenden Jahrzehnte um den Platz und sorgte für beste Bedingungen. Zeitweise stellte er auch sein Rollrasengelände für das Training zur Verfügung.
Die gute Qualität des Platzes sprach sich herum. Bundesligisten, DFB-Junioren, eine japanische Auswahl, die Nationalmannschaft des Tschad und sogar ein Damen Team aus Abu Dhabi trainierten in Munzingen.
1973 wurde die erste Damenmannschaft gegründet. Das erste Punktspiel wurde in der Saison 1974/75 ausgetragen.
Sportlich blieben die Herren in den 70ern zwar erfolglos, doch der Verein lebte. Selbst am sportlichen Tiefpunkt. Nach einer Heimspielniederlage gegen Feldkirch belegte der SVM den letzten Platz der C-Klasse. In der Kabine wurde eine Kerze als „Schlusslicht“ angezündet und alle standen um das Licht herum als Dieter Schindler eine flammende Kabinenrede über Kameradschaft und Zusammenhalt hielt. Trotz der ernsten Lage nahm man doch alles mit viel Humor.

4. Aufschwung, Rückschläge und Vereinsleben (1980–1999)

1984 wurde mit dem Bau eines neuen Clubheims begonnen. Bereits in den 60iger und 70iger Jahren war es das große Ziel des SV Munzingen, ein neues Clubheim zu erstellen. Doch wie sollte das Projekt finanziert werden? Das Ziel konnte nur unter der Voraussetzung erreicht werden, dass das alte Clubheim immer ehrenamtlich geführt wurde. So hat etwa Heinz Straub in den ersten Jahren jeden Sonntag von morgens zum Frühschoppen bis spät abends allein den Clubheimdienst gemacht. Zusätzlich hat er jeden Freitag nach dem Training die Bewirtung übernommen und die Spieler mit dem legendären „Straubschnitzel“ versorgt.
Nach Heinz Straub übernahm Manfred und Ido Schnurr die Bewirtung. Man hat sich darauf verständigt, einen Clubheimdienstplan einzuführen. Dieser beinhaltete den Frühschoppen und zwei Schichten während der Heimspiele. Es war für jeden selbstverständlich, seinen Dienst zu übernehmen. Die AH organisierte regelmäßig Freundschaftsspiele. Es wurden auch Spiele gegen Betriebsmannschaften ausgetragen. Hierdurch kam kontinuierlich Geld in die Kasse des SVM. Der Bau eines neuen Clubheims konnte dann endlich im Sommer 1984 in Angriff genommen werden. Unter dem damaligen Vorstand Erwin Hänsler und dem Architekten Christian Klöber wurde das Projekt gestartet. Tatkräftige Unterstützung gab es dabei von Helmut und Bernhard Knobloch und einigen tüchtigen Mitgliedern. Hier ist vor allem der Bauleiter Erwin Heiny zu nennen. Das Richtfest war dann im Dezember 1984.
Nach knapp 2 Jahren konnte das Clubheim dann schuldenfrei 1986 eingeweiht werden. Eine vorbildliche Leistung der Mitglieder und der damals verantwortlichen Vorstandschaft. Bewirtet wurde zunächst weiter im „Pärchendienst“.
1995 übernahm der ehemalige Warteck-Wirt Giovanni Nunziati die Aufgabe. Er war ein unvergessliches Original.
In den 80er Jahren spielte der SVM mit starken Mannschaften regelmäßig um die Meisterschaft. Spielertrainer Wolfgang Lang und Spieler wie die Brüder Edi, Otmar Schlegel, Gerhard Schnurr oder Joachim Ott stehen für diese Phase.
1984 gewann der Verein erstmals den Tuniberg-Weinwanderpokal und den Fairness-Preis. 1986 und 1988 wurde die zweite Mannschaft Staffelsieger. 1987 folgte der Gewinn des Alemannenpokals. 1989 gelang unter Trainer Helmut Weber schließlich der erste Meistertitel der Vereinsgeschichte. Ein Meilenstein für den SVM!
Nach nur 2 Jahren in der Kreisliga A konnte der SVM dann 1991 den Wiederabstieg nicht verhindern. Angesichts der nachfolgenden ausbleibenden sportlichen Erfolge wurde die Mannschaft verstärkt. Unter Spielertrainer Peter Isele und dem Spielausschussvorsitzen Rudi Wehrle konnte in der Saison 1998/99 dann endlich der Wiederaufstieg in die Kreisliga A gefeiert werden.
Nach dem Aufstieg in die Kreisliga A ging es mit den sportlichen Leistungen des SV Munzingen stetig aufwärts. Die damaligen Spielausschussvorsitzenden Rudi Wehrle und Wolfgang Lang hatten als Nachfolger von Peter Isele, den Trainer Günther Ketterer verpflichtet. Einen erfahrenen Trainer, der bereits eine große Trainerlaufbahn hinter sich hatte. Durch „Ketti“ kam in der Saison 1998/1999 eine gewisse Professionalität in das Team. Er führte klare Regeln ein und forderte Disziplin.
In der ersten Saison belegte die Mannschaft den 7. Platz. In der Winterpause der nachfolgenden Saison 1999/2000 konnte der Trainer aus gesundheitlichen Gründen sein Amt leider nicht mehr ausüben. Als Nachfolger wurde kurzfristig Heinrich Breier verpflichtet. Der mit der Mannschaft sehr gut zusammen arbeitete und in seiner ersten Saison gleich den 3. Platz belegte. Der gesellige Schwabe war dann noch ein Jahr beim SVM.
Im Jahr 1999 erschien zum ersten Mal die Stadionzeitung „Inteam“. Der Torwart Norbert Burgert war über fünf Jahre verantwortlich für die Stadionzeitung. Die Texte lieferte ihm zumeist Rudi Wehrle. Von 2004 bis 2010 wurde das „Inteam“ von Michael Moll und anschließend von Patrick Ruf in gewohnt erfolgreicher Manier weitergeführt.

5. Professionalisierung, Integration und sportlicher Höhepunkt (2000–2011)

Auf Initiative von Rudi Wehrle und Klaus Michel wurde am 11.10.2000 im Clubheim des SV Munzingen 1926 e.V. von 17 Personen gegründet und am 08.12.2000 in das Vereinsregister beim Amtsgericht Freiburg eingetragen. Bereits 1987 gründeten Erwin Heiny, Karl Moll, Hans Schulz und Heinz Straub einen „internen“ Förderverein, der nicht in das Vereinsregister eingetragen wurde. Es gab damals auch keine Vorstandswahlen und keinen Mitgliedsbeitrag. Man hatte beschlossen, dass jeder „Förderer“ im Jahr 100 DM als Spende bzw. zur Unterstützung des Sportvereins entrichten soll. Die erste gewählte Vorstandschaft im Jahre 2000 1. Vorsitzender Bernhard Beck, 2. Vorsitzender Hans Schulz, 3. Vorsitzender Jürgen Bobbermin, Kassierer und Schriftführer Erwin Heiny. Mindestens drei Mitglieder sollten als Beisitzer gewählt werden. Die Vorstandsmitglieder wurden auf die Dauer von 2 Jahren gewählt. Bei der Gründungsversammlung wurde ein Jahresbeitrag von 10 DM festgelegt. Ab 2012 wurden 30 € als Mitgliedsbeitrag eingezogen. Darüber hinaus sollte jedes Fördervereinsmitglied jährlich eine freiwillige Spende als Förderer zur Verfügung stellen. Die Aufgabe des Fördervereins ist die finanzielle Unterstützung des Sportvereins.
Im November 2003 wurde Klaus Michel 1. Vorsitzender und Ulrich Schopp 2. Vorsitzender. Jürgen Bobbermin blieb 3. Vorsitzender. Von Erwin Heiny übernahm Dieter Ott den Posten als Kassierer und Fritz Lang den als Schriftführer. Am 15.07.2004 wählte man Thomas Hänsler als 2. Vorsitzenden und er hat in dieser Funktion dem Verein 10 Jahre lang treu gedient. Heinz Straub wurde am 18. November 2005 als Kassierer gewählt und am 25.05.2012 als Vorstand Finanzen. Am gleichen Tag gab Klaus Michel nach 9 Jahren seinen Vorstandsposten an Bernhard Beck als Vorstand Repräsentation ab und Jürgen Braun wählte man zum Vorstand Veranstaltungen. Bei den Wahlen im Mai 2014 wurde Jürgen Braun Vorstand Repräsentation, Thomas Veser Vorstand Veranstaltungen und Johannes Kinder Vorstand Finanzen. Heinz Straub übernahm ab Mai 2014 keinen Vorstandsposten mehr. Er erledigt aber seither weiterhin die Buchhaltungsarbeiten.
Mit der Stadionzeitung „Inteam“ und dem neu gegründeten Förderverein und wachsender Professionalität entwickelte sich der SVM weiter. Besonders hervorzuheben ist die Selbstverständlichkeit, mit der Spieler verschiedenster Herkunft Teil des Vereins wurden. Integration wurde gelebt, nicht diskutiert.
2001 waren wieder Investitionen zu stemmen. Da man die Zuschauer nicht länger im Regen stehen lassen wollte, wurde am Clubheim ein Vordach in Stahlkonstruktion erstellt. Zudem wurden Steinpflaster verlegt. Außerdem wurde der Hartplatz auf wettkampftaugliche Maße erweitert. Weiterhin feierte 2001 der SVM sein 75-jähriges Vereinsjubiläum.
In der Saison 2001/2002 kam „Ketti“ als Trainer zurück, nachdem sich der SVM von dem zwischenzeitlich verpflichteten Trainer Hanspeter Dufner bereits im Oktober 2001 wieder getrennt hatte. Bei seinem zweiten Anlauf im SVM war Ketterer noch motivierter. Es gab gute Ergebnisse. Die Meisterschaft blieb ihm jedoch leider versagt. Unglückliche Umstände verhinderten den Aufstieg im Jahr 2002. Auch 2003 wurde die Meisterschaft nur knapp verfehlt. Es war der im Sommer 2003 verpflichtete Claus Kraskovic, der nach nur einem Jahr in der Kreisliga A den bis dato größten Erfolg der Vereinsgeschichte verbuchen konnte.
Im Jahr 2003 wurde mit Driton Cermjani ein junger Spieler beim SVM aufgenommen. Zu Beginn sprach er fast kein Wort Deutsch. Im Oktober 2003 machte er sein erstes Spiel gegen Tunsel. Von da an war Driton ein fester Bestandteil der Mannschaft. Er war ein Ausnahmespieler, der in Munzingen von Anfang an die sportlichen Erfolge entscheidend geprägt hat. Ohne ihn hätte es den fußballerischen Höhenflug beim SVM kaum gegeben. Driton war an allen Aufstiegen maßgeblich beteiligt. Er wurde Torschützenkönig in der Kreisliga A, in der Bezirksliga und dann auch in der Landesliga.
Im Jahr 2005 erreichte die Mannschaft des SV Munzingen das Bezirkspokal-Endspiel. In einem spannenden und dramatischen Match stand es in Buchholz nach der regulären Spielzeit 3:3. Nach der Verlängerung 4:4 und beim Elfmeterschießen dann schließlich 9:8 für Munzingen. Der große Triumph wurde am 26. Mai 2005 ausgiebig gefeiert. Durch einen 4:1 Heimspielerfolg gegen Untermünstertal II konnte ein paar Tage später auch noch die Meisterschaft gewonnen und in die Bezirksliga aufgestiegen werden. Ein sportlicher Höhepunkt. Mit den Auszeichnungen Bezirkspokalsieg, Meisterschaft, Trainer und Mannschaft des Jahres. Claus Kraskovic blieb noch ein Jahr unser Trainer in der Bezirksliga.
In der Saison 2006/2007 konnten die Brüdern Michael und David Renner verpflichtet werden. Man hätte früher nicht geglaubt, dass der SV Munzingen einen so renommierten Trainer wie Michael Renner verpflichten könnte, der für den SC Freiburg im Bundeligakader stand und in Emmendingen, Denzlingen und auch beim Freiburger FC in der höchsten Amateurklasse spielte.
Die Chemie stimmte von Anfang an. Die Brüder David und Michael ergänzten sich hervorragend. Sie waren äußerst beliebt in Munzingen. Bereits im ersten Jahr begann eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen. In der Saison 2006/2007 hatte die Mannschaft vier Spiele vor Schluss der Runde sage und schreibe 13 Punkte Vorsprung auf den Zweiten und wurde souverän Meister in der Bezirksliga Freiburg. In Tiengen holte man sich auch den Wein-Wanderpokal 2007. Michael Renner wurde zum Trainer des Jahres gewählt.
Nachdem im Anschluss einige Spieler den Verein Verliesen, war guter Rat teuer. Den beiden Renner Brüder gelang es, junge talentierte und hungrige Spieler zu verpflichten und aus diesen innerhalb kürzester Zeit ein schlagkräftiges team zu formen. Das diese in der Landesliga vorne mitspielen konnte, beweist eine beindruckende Bilanz. In den Jahren 2007 bis 2011 wurde dreimal Platz 5 und einmal sogar Platz 4 erreicht.
Der Unterhalt einer Landesliga Mannschaft ist für einen kleinen Dorfverein eine Herausforderung. Mit vereinten Kräften von Mitgliedern, Vorstandschaft, Förderverein und hohem Engagement von Klaus Michel und dem Spielausschussvorsitzende Wolfgang Lang wurde die Aufgabe geschultert.
Jetzt kam auch ein Schiedsrichtergespann und man brauchte einen Schiedsrichterbetreuer. Mit Jürgen Bobbermin wurde ein zuverlässiger Verantwortlicher gefunden. Durch die weiten Entfernungen bei den Auswärtsspielen wurden teilweise Busse organisiert. Diese waren immer voll besetzt. Es war eine schöne Zeit, alle wollten dabei sein. Das es letztendlich dann
8 Jahre Landesliga wurden, konnte man nach dem Aufstieg 2007 kaum ahnen. Nach fünf Jahren Tätigkeit in Munzingen nahmen die Renner-Brüder Abschied vom SVM. Eine neue Herausforderung wartete auf sie. Ihre Erfolge sind die sportlichen Highlights in der Chronik des Sportvereins. Im ersten Jahr Meister in der Bezirksliga, vier Jahre Landesliga mit großem Erfolg auch im Umfeld. Immer mit vorderen Plätzen. Am Ende stand man sogar kurz vor dem Aufstieg in die Verbandsliga.
Das Viertelfinale im Verbandspokal erreicht. Ausgeschieden nach einem unglücklichen 0:2 in Offenburg gegen den damaligen Oberligisten Offenburger FV. Das Abschiedsspiel für die Renners konnte besser nicht passen, ausgerechnet gegen den Freiburger FC!

6. Neuorientierung, Klassenerhalt und Gegenwart

Nach der Ära Renner konnte 2012 vom SV Heimbach Karsten Bickel als Spielertrainer verpflichtet werden. Er hatte damals mit Heimbach den Durchmarsch von der Kreisliga A bis in die Landesliga geschafft. Mit Karsten schaffte die Mannschaft noch einmal Platz 5. Die Saison 2012/2013 konnte man im sicheren Mittelfeld mit Platz 9 abschließen. Nach zwei Jahren in Munzingen kündigte Bickel seinen Vertrag und heuerte beim SC Wyhl an. Nun übernahm als Spielertrainer Achim Thoma, der u.a. beim Bahlinger SC gespielt hatte. Nachdem viele Spieler und auch Leistungsträger den Verein Verliesen, versuchte Achim das Beste daraus zu machen. Aber auch Thoma konnte den Abwärtstrend nicht aufhalten. Nach dem glücklichen Klassenerhalt 2014 musste unsere Mannschaft im darauffolgenden Jahr den Gang in die Bezirksliga antreten.
Unter dem neuen Trainer Tobias Göbel tat sich die Mannschaft schwer und nahm Kurs auf einen der fünf Abstiegsplätze in der Bezirksliga. Mitte März 2016 übernahm der bisherige Co-Trainer Jacob Siebler, der von 2008 bis 2014 selbst aktiver Spieler beim SVM war das Traineramt. Er schaffte das schier unmögliche und steigerte die Leistung der Mannschaft. Mit sieben Siegen in Folge erarbeitete sich das Team die Chance auf den Klassenerhalt. Einer der besser platzierten Abstiegskonkurrenten musste am letzten Spieltag patzen, zumindest nur Unentschieden spielen, man selbst brauchte einen Sieg. In der 90. Minute stand es jedoch 2:2.
Die Mannschaft zeigte aber unbändigen Siegeswillen, gab sich nicht auf, und in der 93. Minute erzielte sie das erlösende 3:2. Der Schlusspfiff ging im Jubel unter. In einem nervenaufreibenden, unglaublich spannenden Wimpernschlag- Finale am letzten Spieltag konnte sich die Mannschaft den Klassenerhalt sichern.
2017 endete schließlich auch die Zeit in der Bezirksliga. Der Klassenerhalt konnte nicht gehalten werden und die Mannschaft stieg in die Kreisliga A ab. Im Jahr 2017 übernahm dann Jo Klemenz das Traineramt. Er war ein ehemaliger Fußballprofi der u.a. beim SC Freiburg und der polnischen Nationalmannschaft gespielt hatte.
Leider gelang es auch ihm nicht den SVM dauerhaft in der Kreisliga A zu etablieren. Sodass im Jahr 2019 der erneute Abstieg in die Kreisliga B folgte, in der der SV Munzingen bis zum heutigen Tag (2026) spielt. Für den Verein war dies sportlich ein bitteres Kapitel.
In den darauffolgenden Jahren kam es zu mehreren Trainerwechseln, unter anderem mit Matthias Russo, Sedat Simsek, Martin Männer und Gehad Hassoun.
Besonders hervorzuheben ist Martin Männer, der den SV Munzingen bereits über viele Jahre hinweg als Spieler und in unterschiedlichen Funktionen unterstützt hatte. In einer sportlich schwierigen Phase übernahm er und Marco Piccinno als Trainerteam nach Sedat Simsek 2021 die Verantwortung. Ihnen ist es maßgeblich zu verdanken, dass der sportliche Abwärtstrend gestoppt werden konnte und mit neuen Spielern sowohl der sportliche Erfolg als auch die Freude am Fußball wieder in den Vordergrund rückten.
Im Juli 2023 übernahm Gehad Hassoun die Mannschaft als Trainer. Nachdem man sich im Oktober 2024 wieder getrennt hatte, war es wieder Martin und Marco die dem Verein zum zweiten Mal halfen und die Vorrunde als Trainerteam übernahmen. In der Winterpause konnte man dann den aktuellen Trainer Uwe Hohenender für die Rückrunde der Saison 24/25 verpflichten. Mit Uwe Hoheneder konnte ein Trainer gewonnen werden, der den SV Munzingen noch aus seiner eigenen aktiven Spielerzeit bestens kennt und somit eine enge Verbundenheit zum Verein mitbringt.

7. Damen - AH und Jugend das Fundament des Vereins

1973 wurde die erste Damenmannschaft gegründet. Das erste Punktspiel wurde in der Saison 1974/75 ausgetragen.
Bereits im Jahr 1977/1978 konnte die erste Meisterschaft und bereits zwei Jahre später die zweite Meisterschaft unter Trainer Joachim Kuhn und Betreuer Karl Heiny eingefahren werden. Die Damenmannschaft wurde 1998 zuerst unter Trainer Uwe Barth, später unter Michael Lang wieder gegründet. Nachdem sie 1982 wegen Spielermangel aufgelöst wurde. Am 20.09.2002 begann Bertram Götz das Training mit fußballbegeisterten Mädchen für eine C-Mädchen und B-Mädchenmannschaft. Der größte Erfolg gelang unseren Damen unter ihrem Trainer Bertram Götz im Jahr 2009. Er brachte das Kunststück fertig, mit denselben Mädchen, die bei ihm 2002 als C-Mädchen angefangen haben, den Aufstieg in die Landesliga zu schaffen.
Ein Jahr zuvor erreichte man das Bezirkspokalendspiel in Wyhl, das leider im Elfmeterschießen verloren wurde. Dennoch ein toller Erfolg. Es war ein großartiges und spannendes Damenendspiel, das allen in bester Erinnerung bleiben wird. 2026 steht Bertram Götz immer noch als Trainer auf dem Platz und trainiert nach wie vor die Mädchenmannschaften des SV Munzingen.
Die AH Munzingen besteht seit Anfang der 70er Jahren und ist heute noch aktiv. Einmal wöchentlich wird trainiert. Im Laufe der Jahre haben die AH neben etlichen Freundschaftsspielen gegen umliegende Vereine auch viele Ausflüge durchgeführt. Ausflüge nach Wadern, Badeurlaub in Italien, Freundschaftsspiel in London (2:1 gewonnen), Skifahren in Ischgl, Grillfest bei Franz, Schnitzelabend mit Straub Heinz, Käsefondue mit unseren Spielern aus Basel, Sauerkrautessen bei Bernd und natürlich Weinproben bei den Munzinger Weingütern.
In den 60 Jahren gab es bereits Jugendmannschaften beim SV Munzingen. Zu den damaligen Spielern zählten unter anderem Fritz Lang und Hubert Männer. Über all die Jahrzehnte hinweg war die Jugendabteilung stets ein zentraler und unverzichtbarer Bestandteil des Vereinslebens.
Im Mai 2015 wurde die Satzung der Jugendabteilung angepasst. Ziel war es, die umfangreiche Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen und den Jugendleiter zu entlasten. Hierzu wurden mehrere Jugendkoordinatoren mit unterschiedlichen Aufgabengebieten eingesetzt und offiziell gewählt.
Nachdem es über viele Jahre hinweg immer wieder Spielgemeinschaften mit verschiedenen Nachbarvereinen gegeben hatte, wurde 2016 unter dem Namen SG Tuniberg Süd gemeinsam mit dem SC Freiburg-Tiengen erstmals eine gemeinsame Jugendmannschaft gemeldet. Diese C-Jugend wurde bis zur A-Jugend von beiden Vereinen gemeinsam betreut und markierte den Beginn einer engeren Zusammenarbeit, die seither kontinuierlich vertieft und ausgebaut wurde.
Ein weiterer Meilenstein folgte im Juli 2025 mit der Wahl von Togay Erdem zum gemeinsamen Jugendleiter beider Vereine. Ein klares Signal für eine gemeinsame, nachhaltige und zukunftsorientierte Jugendarbeit.
Im Jahr 2026 zählte die Jugendabteilung über 300 Kinder und Jugendliche. Aufgrund dieser hohen Anzahl konnten alle Mannschaften von der G-Jugend bis zur A-Jugend sowie mehrere Mädchenmannschaften gemeldet werden. In vielen Jahrgängen sogar mit mehreren Teams. Dass sich eine erfolgreiche und engagierte Jugendarbeit auszahlt, zeigte sich auch im Jahr 2021, als insgesamt dreizehn A-Jugendspieler erfolgreich in den Aktivenbereich übernommen werden konnten.
Die Jugendarbeit ist und bleibt auch in Zukunft ein zentraler Bestandteil des Vereinslebens und wird vom SV Munzingen weiterhin mit großer Bedeutung gefördert und unterstützt.

8. Moderne Entwicklungen – eine Ära endet (2018–heute)

In den letzten Jahren hat der SV Munzingen erneut bewiesen, dass Tradition, Gemeinschaft und Innovation Hand in Hand gehen.
Sommer 2018 markierte einen wichtigen Schritt in der Infrastruktur. Der nicht mehr zeitgemäße Hartplatz wurde zu einem Winterrasenplatz umgebaut. Mit der neuen Spielfläche erhoffe man sich während der Wintermonate und allgemein eine Verbesserung der Trainings- und Spielqualität. Ein weiterer Grund war die Schwierigkeit neue Spiele zu gewinnen. Der Hartplatz wirkte abschreckend für potenzielle neue Spieler. Den niemand spielt oder trainiert gerne auf einem Hartplatz. Das Projekt zeigt den kontinuierlichen Anspruch des Vereins, moderne und zeitgemäße Bedingungen für seine Mannschaften zu schaffen. Die Realität zeigt jedoch auch, dass ein Winterrasen nicht endlos belastbar ist und die Qualität durch viel Nässe und hoher Beanspruchung durch den Trainings- und Spielbetrieb stark leidet. Ein gelegentliches Ausweichen auf den Hartplatz in Tiengen konnte daher nicht vermieden werden.
Im März 2020 wurde das öffentliche Leben durch die Corona-Pandemie massiv eingeschränkt. Auch die Vereine waren davon stark betroffen. Zeitweise mussten Trainings- und Spielbetrieb vollständig eingestellt werden, ein Lockdown folgte dem nächsten. Das Vereinsleben kam nahezu zum Erliegen.
Die Corona-Pandemie bestimmte weltweit über Monate hinweg das gesellschaftliche Geschehen. Schrittweise konnte unter strengen Hygiene- und Verhaltensauflagen der Trainings- und Spielbetrieb wieder aufgenommen werden. Auch das Clubheim wurde entsprechend angepasst und „coronatauglich“ ausgestattet. Im April 2023 wurde die Pandemie schließlich offiziell für beendet erklärt.
Im Juli 2021 konnte mit KNF Neuberger ein Munzinger Unternehmen als Hauptsponsor gewonnen werden. Das 1946 in Munzingen gegründete familiengeführte Unternehmen beschäftigt in der Gruppe weltweit rund 800 Mitarbeiter und hat ihren Hauptsitz in Munzingen. KNF ist Spezialist für Membranpumpen für unterschiedlichste Anwendungen und Branchen.
Ein weiteres Kapitel im Vereinsleben endete 2022. Martina Krumm beendet nach elf Jahren ihre Tätigkeit als Vereinswirtin. Mit Engagement, Verlässlichkeit und Herzblut hatte sie das Clubheim über mehr als ein Jahrzehnt geprägt und zu einem zentralen Treffpunkt für Mitglieder und Gäste gemacht.
Im Juli 2023 übernahmen Florin und Sandra Ciuciu mit ihrer Familie und einem engagierten Team die Pacht des Clubheims. Seitdem ist das Vereinsheim erneut ein lebendiger Mittelpunkt für Sportler, Mitglieder und die Dorfgemeinschaft.
Im Mai 2023 fand der erste Maihock am Sportgelände des SVM statt. In den Jahren zuvor wurde das Fest vor der Schlossbuck-Halle gefeiert, doch der Platz war beengt und wenig familienfreundlich. Der neue Standort im Tuniberg-Stadion war wesentlich attraktiver und ein voller Erfolg. Zahlreiche Besucher genossen bei schönstem Wetter und fantastischer Stimmung das Fest. Besonders Familien mit Kindern und Gäste jeden Alters nahmen die neue Location begeistert an.
Im Juli 2023 war der SV Munzingen Gastgeber des traditionellen Wein-Wander-Pokals. Bei herrlichem Wetter und zahlreichen Besuchern fand das Turnier auf dem Tuniberg-Stadion statt. Ein weiteres Highlight für die Vereinsgemeinschaft.
Ebenfalls 2023 endete eine Ära. Hubert Männer wurde nach 18 Jahren als erster Vorstand als Ehrenpräsident verabschiedet. Er übergab das Zepter an Markus Kumpf der zuvor als Jugendleiter und dritter Vorstand tätig war. „Hubi“ ist seit Jahrzehnten eine der prägenden Persönlichkeiten des SV Munzingen und steht wie kaum ein anderer für Vereinstreue, Engagement und gelebte Gemeinschaft. Seine Laufbahn beim SV Munzingen begann im Jahr 1965, als er im Alter von acht Jahren als Jugendspieler dem Verein beitrat. Neben seiner Zeit als Jugend- und Aktivspieler übernahm Hubert Männer im Laufe der Jahre zahlreiche verantwortungsvolle Aufgaben als Jugendleiter, Trainer, Schiedsrichter und langjähriges Mitglied in der Vereinsführung. Seine Hilfsbereitschaft, seine Zuverlässigkeit und sein offenes Wesen machten ihn nicht nur innerhalb des Vereins, sondern auch weit über die Grenzen Munzingens hinaus bekannt und beliebt. Auch weiterhin steht Hubi dem Verein im Hintergrund mit Rat und Tat zur Seite und unterstützt, wo immer er gebraucht wird.
Ein weiterer Meilenstein für die Infrastruktur folgte im Juli 2025 mit dem Bau einer modernen LED-Flutlichtanlage auf dem Winterrasenplatz. Dank des großen Engagements von Uli Schildecker, Dieter Ott und Uli Schopp konnte bereits im September 2025 die neue Beleuchtung in Betrieb genommen werden. Die moderne Anlage sorgt für optimale Ausleuchtung bei Training und Spielen, steht für Energieeffizienz und unterstreicht den Anspruch des Vereins, auch künftig hervorragende Bedingungen für Sport und Gemeinschaft zu bieten.
Im März 2026 wurde ein neuer Vereinsbus angeschafft, da der alte Bus in die Jahre gekommen war. Dank der Unterstützung zahlreicher Sponsoren konnte dieses wichtige Projekt realisiert werden. Das Fahrzeug wurde während der Jubiläumsfeierlichkeiten offiziell übergeben und stellt nun einen modernen und zuverlässigen Transport für Mannschaften sicher.
Im 100-jährigen Jubiläumsjahr hatte der Verein 450 Mitglieder. In der Spielgemeinschaft hatte man zusammen 330 Kinder und Jugendliche.
Im Juli 2026 feierte der SV Munzingen sein 100-jähriges Bestehen. Höhepunkt war eine Sportwoche mit zahlreichen sportlichen Events und Livemusik am Abend. Das Jubiläum bot Gelegenheit, die Vereinsgeschichte zu würdigen, die Gemeinschaft zu feiern und generationsübergreifend das Engagement von Ehrenamtlichen und Mitgliedern zu ehren.